ABSURDISTAN…

15.05.2020

ABSURDISTAN…

Ein Beitrag von Udo Kellmann:

UPDATE 15. Mai 15:00 Uhr:

Ich hatte gerade ein sehr entspanntes Treffen mit dem zuständigen Fachbereichsleiter Finanzen der Stadt Bergisch Gladbach. Jeder von uns hat seine Sicht der Dinge ausführlich darlegen können. Wir haben uns beide tief ins Auge geschaut und uns gegenseitig eingestanden, dass die Kommunikation auf beiden Seiten „suboptimal“ gelaufen ist, wir jetzt aber alle wieder am gleichen Strang ziehen.
Die Zwangsvollstreckung ist vom Tisch, der noch offene Betrag wird solange gestundet, bis die KfW-Darlehen endlich valutiert sind.

ALLES WIEDER GUT!

Ursprungsposting:

Mitte März wurde mein Kaufhaus ja wie alle anderen in Deutschland von Staats wegen geschlossen. Von einem Tag auf den anderen wurden wir damit von sämtlichen Liquiditätsflüssen ausgeschlossen. Ich hab dann – wie alle anderen – ganz schnell diese Bazooka-Blitz-Kredite beantragt. Und trotzdem die schon vor drei Wochen telefonisch bewilligt und die Verträge vor zwei Wochen von beiden Seiten rechtsverbindlich unterzeichnet worden sind, ist die Kohle immer noch nicht ausbezahlt worden, warum auch immer.

Weiterhin habe ich mir von der Bank alle Steuern zurückbuchen lassen, die innerhalb der 8-Wochenfrist bei uns abgebucht worden sind. Im wesentlichen waren das die Umsatzsteuerzahlungen für Januar und Februar, sowie die Grundsteuer für das erste Quartal, immerhin auch gut 20.000 €. Selbstverständlich haben wir dann die Stundung der Beträge erbeten, und beim Finanzamt war das auch gar kein Thema. Die Stadt Bergisch Gladbach aber übersandte eine Mahnung mit sündhaft teuren Mahngebühren. Wir haben dann nochmal kommuniziert, dass wir unmittelbar nach Eingang der Kredite zahlen würden, und um weitere 14 Tage Geduld gebeten. Mir war es ehrlich gesagt wichtiger meinen Mitarbeiterinnen ihr Gehalt auszubezahlen.

Heute komme ich nach Hause und meine Frau sitzt mit zitternden Händen und Tränen in den Augen in unserer Küche. Vor ihr der hier angehängte Brief. Denn anstatt das an meine Firmenadresse zu senden, hat mir die Stadt eine VOLLSTRECKUNGSANKÜNDIGUNG an meine Privatadresse zustellen lassen, und zwar mit dieser Adresszeile:
„Udo Kellmann und Miteigentümer
Strasse Hausnummer
51429 Bergisch Gladbach“

Meine Frau als Miteigentümerin unseres Häuschen hat sich natürlich nichts Böses dabei gedacht und den Brief geöffnet, in dem man ihr dann freundlicherweise mit dem Besuch des Gerichtsvollziehers und Sachpfändung droht, die Stilllegung von PKWs ankündigt und darauf hinweist, dass man ggf. zukünftig nicht mehr mit dem Handy telefonieren kann.

Mal ganz abgesehen davon, dass sowas in diesen Zeiten absolut stil- und charakterlos ist, halte ich es für einen schwerwiegenden Verstoß gegen den Datenschutz, einen solchen Brief meiner nicht in das Unternehmen involvierten Ehefrau zu übersenden. Denn wie gesagt, da stand nicht „Udo Kellmann“ sondern „Udo Kellmann und Miteigentümer“, gefolgt von unserer Wohnanschrift.

Und falls hier jemand von der Stadt mitliest, ich kann den Betrag leider erst zahlen, wenn endlich die Kohle von der KFW eintrifft, vielleicht kann ja mal jemand von der Stadtverwaltung da anrufen und Dampf machen. Und im übrigen würde ich empfehlen dem Gerichtsvollzieher zwei bis drei Polizeibeamte zur Seite zu stellen . Meine Frau ist nämlich auf 180, und da mache sogar ich einen großen Bogen um sie…
😉

PS: Man hat mich gebeten den Namen des Sachbearbeiters unkenntlich zu machen. Der Bitte komme ich natürlich nach.

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