DIGITALISIERUNG DER SCHULE: DINOSAURIER GEGEN EUPHORIKER

24.10.2018

DIGITALISIERUNG DER SCHULE: DINOSAURIER GEGEN EUPHORIKER

DINOSAURIER argumentieren so:

„Die Digitalisierung“ ist eine Bedrohung der Bildung und grundsätzlich nicht mit dem Gymnasium oder anderen Schulformen vereinbar.

Der DIGITALEUPHORIKER argumentiert so:

„Ein auf gedruckte Schulbücher zurückgreifender Fontalunterricht ist nicht nur enorm langweilig, er ist eben auch nicht mehr Spiegel unserer Gesellschaft.“

Die übliche Diffamierung der Schule also, um die Notwendigkeit einer Reform zu begründen. Als ob der Schulunnterricht nur Frontalunterricht wäre! Als ob papierenes Schulmaterial nur im Frontalunterricht einsetzbar wäre!

Ansonsten liebt es der Digitaleuphoriker blumig, blumig, wolkig, wolkig:

„Wenn fluide, agile Zusammenschlüsse hierarchische und auf Dauer angelegte Institutionen ablösen, dann wollen, nein, müssen wir unsere Herrschern zu Herrschern über diesen Prozess machen.“

Blablabla. Im Klartext heißt das: Wir wollen die Schule als traditionelle Institution abschaffen. Der Schüler soll selbst bestimmen, was er lernt. Er ist Autodidakt. Aber das kann Gott sei Dank nur ein praxisferner Akademiker so sehen.

Und weiter im Text:

„Digitalisierung als eine grundlegende Transformation […] begreifen: weg vom fertigen Produkt (sei es ein Schulbuch, eine Enzyklopädie, eine Zeitung) und hin zu einem Prozess, der geprägt ist durch Zusammenarbeit, durch Iteration, durch positive Unfertigkeit.“

Dem Mann ist bei seiner Diffamierung des Schulbuchs nicht klar, dass Schüler aufbereitete Texte brauchen, weil sie sonst nichts oder nur wenig kapieren. Ob die Texte gedruckt oder digital vorliegen, ist egal. Zusammenarbeit ist auch mit Papiermaterial möglich, wie jedes Projekt oder jedes projektartige Arbeiten beweist. „Itineration und positive Unfertigkeit“ klingt schlau, lässt sich aber auch einfach ausdrücken, bloß klingt es dann nicht so neu.

Und dann kommen die weiteren Irrtümer des Euphorikers:

„Ersetzen wir Schulbücher durch Offene Lehr- und Lernmaterialien (Open Educational Resources), so erlauben wir den Kindern und den Lehrern eine Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden tatsächlich zu leben. Statt aus oft veralteten Materialien zu lernen, erschaffen sich Schüler und Lehrer gemeinsam ihre Lehr- und Lernmaterialien und erarbeiten sich so nicht nur die Inhalte, sondern auch die wichtigste Form der Arbeit: die Kollaboration.“

Quatsch. OER bedeutet lediglich, dass Materialien frei verfügbar sind, meist digital. Über deren Neuheit ist nichts ausgesagt, über ihre inhaltliche Qualität erst recht nicht und dazu sind die Links mangels Pflege oft nicht gültig. Kein Anlass für Euphorie, aber für Skepsis. Ob Kollaboration oder Einzelarbeit stattfindet, hängt nicht vom Lehrmaterial ab, sondern von der pädagogischen Entscheidung von Lehrer oder Schüler, wenn dieser die Wahl hat.

Was digitalisiertes Lernmaterial dagegen bringt, liegt mehr im Bereich des Praktischen, nämlich der Verlinkung vielseitiger aktueller Materialen in Text, Bild und Ton; in verbesserten Möglichkeiten der Kommunikation per E-Mail, Messenger, Forum, usw.; in erweiterten Möglichkeiten der Kollaboration über die Gruppe, Klasse, Schule, das eigene Land hinaus; in einer Tendenz zu mehr projektorientiertem Arbeiten und (relativ) selbstständigem Arbeiten von Schülern allein oder in Gruppen; in wesentlich verbesserten organisatorischen Möglichkeiten. Lehrer sollten mit Lernplattformen arbeiten können und dabei unterstützt werden, dann entwickelt sich vieles organisch.

Dinosaurier wie Euphoriker schaden der Sache gleichermaßen. Es geht um einen unaufgergten, pragmatischen Umgang mit der Digitalisierung.

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article182553342/Digitales-Klassenzimmer-Der-Beginn-eines-laengst-faelligen-Prozesses.html

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